Ford Model A Speedster

Hallo Kurt. Ich freue mich, das wir das Interview machen. Bitte stell dich doch unseren Lesern einmal kurz vor.
Mein Name ist Kurt Nägele ich wohne in Wismar, bin verheiratet und habe zwei große Kinder und ich bin – wie euer Magazin heißt – oldtimersüchtig.

Was machst du beruflich?
Ich bin beruflich selbstständig als Fotograf … fotografisch in allen Bereichen tätig. naegelefoto.de

Welches war das erste Auto deiner Eltern, an das du dich erinnern kannst?
Das erste Auto meiner Eltern war ein Brezelkäfer, danach kam ein Ovali und dann kam, ich sag mal, das neuere Modell, das war ein 1302. Den durfte ich mit 18 übernehmen, was er leider nicht mehr lange überlebt hat.

Ford Model A Speedster

Welches war dein Traumauto als Kind?
Das war ein Bugatti 35B, der Vorkriegsrennwagen mit seiner speziellen Form.

Im Prinzip bist du da ja schon dicht dran mit deinem Ford, oder? Kann man das so sagen?
Ja, vom Baujahr und der Art der Fahrweise und der Mechanik schon, also: keine Hydraulik, Getriebe nicht synchronisiert …

Welcher war dein erster eigener Wagen?
Das war ein Käfer. Meine ersten drei Autos waren Käfer. Alle das gleiche Modell, 1302. Die ersten zwei haben meine Fahrweise nicht überlebt und das dritte wurde für 200 Mark angeschafft und nach vier Jahren für 400 Mark wieder verkauft.

Kurt und sein Ford Model A Speedster

Welches Auto war dein erster Oldtimer?
Mein erster Oldtimer war ein – ehm, wenn man den Oldtimer nennen konnte – der war damals 25 Jahre alt und das war ein Bugatti Replica auf VW-Käfer-Basis. Wie gesagt, mein Lieblingsauto Bugatti – und es reichte natürlich geldlich nicht. Dann wurde ein VW-Käfer – ja, es gab so Replica-Karosserien aus GFK und das wurde dann zusammengeschustert und damit ist man dann freudig durch die Gegend gefahren.

Man wusste natürlich das es kein Original ist, aber nichts desto trotz hatte man einen wahnsinnigen Spaß so ein Auto zu fahren. Ein offenes Auto was so ein bisschen in die Richtung geht: Bugatti B35. Mit Käfertechnik, Motor natürlich hinten statt vorne. Aber es war schön!

Und dann ging das so ein bisschen weiter. Dann hatte ich ’nen VW zwischendurch, weil ich den früher schon mal hatte, ’nen Variant von 1970. Und überall dran gebastelt und fertig gemacht, soweit man das selber kann. Und meine Frau hat immer gesagt: Ein Auto. Wenn es ein  neues geben soll, muss das alte weg. „Du darfst“ (lacht) ein normales Auto, ein Motorrad und ein Oldtimer. Und wenn irgendwas neues angeschafft wird, muss etwas weichen (lacht). Das hat sich mittlerweile etwas verschoben, die Regel wurde sozusagen etwas aufgeweicht. (lacht)

Also, man kann sagen deine Frau zieht mit, hat Verständnis dafür?
Ganz genau, immer schon gehabt. Sie hat Verständnis für mich. Nicht nur für die Autos … für diese Krankheit. Ich nenn‘ das öfter mal Krankheit. Manchmal reicht es auch einfach nur das Garagentor auf zu machen, um mal zu gucken, mal ein bisschen die Hand drauf zu legen und ein Wörtchen zu sprechen und schon ist man den Stress des Tages wieder los. Man muss nicht immer fahren. Dieses Drumherum ist auch schon schön.

Ford Model A Speedster

Klingt oldtimersüchtig.
Ja, das sage ich ja. Das ist immer wenn man auf Veranstaltungen geht, man muss nicht jedes Auto besitzen, man muss nicht jedes Auto fahren, einfach nur sehen wie andere Spaß daran haben und vor allen Dingen natürlich auch: sich mit anderen Verrückten zu treffen. Und was die dann für Autos fahren spielt überhaupt keine Rolle. Ob das ein Original ist, ob das eine Replik ist, der Spaß an der Sache verbindet. Ja, Hauptsache dieser Funke springt über. Das ist entscheidend. Und ob das ein Auto für 10.000 Euro oder für 10 Millionen ist, finde ich persönlich uninteressant.

Was macht denn deiner Ansicht nach ein Auto zu einem besonderen Auto? Die Marke? Der Motor? Die Geschwindigkeit? Das Design?
Es ist im Prinzip alles auf einmal. Aber einen ganz großen Stellenwert hat der Mensch, der dahinter steht. Ich finde ein Auto kann für mich erstmal nicht weiter faszinierend wirken und wenn man dann die Person vielleicht kennen lernt und sie erzählt was sie mit dem Auto erlebt hat … solche Sachen finde ich sehr interessant. Es kann auch ein neueres Auto sein. Ich habe neulich erst eine Ente gesehen, die war relativ neueren Datums, und die war von oben bis unten beklebt und angemalt. Und ich bin normalerweise nicht der Enten-Spezialist, aber wo er dann erzählte, wo er schon überall mit dieser Ente war und was sie zusammen erlebt haben … dieses Gesamtpaket. Ein Auto, nur weil es zehn Millionen kostet und hochglanzpoliert ist? Im Gegenteil: Am meisten faszinieren mich Autos wo man sieht die haben gelebt. Wie das bei meinem auch ist. Da ist jeder Ölpatscher noch dran. Der wird in diesem Sinne nicht gewaschen, der kann mal mit kaltem Wasser ’ne Dusche kriegen – wenn man im Regen fährt sowieso – aber jeder Ölfinger ist dran. Ich bin kein Mensch der putzt. Im Gegenteil. Für mich muss man sehen: Jawohl, das Auto lebt, das Auto wird bewegt. Nicht diese Concours d’Elegance-Autos. Das ist eher das was mich nicht so anspricht.

 

Kurt und sein Ford Model A Speedster

Wie ist die Geschichte deines Autos?
Mein Auto kommt aus Dänemark, also das Fahrgestell. Wie viele Vorbesitzer es davor gab weiß ich nicht. Es ist dann eben mit einer Rennkarosse perfektioniert worden. Die Karosse von dem Original war wohl auch nicht zu retten. Und so wurde es eben neu mit einer Rennkarosse versehen. Diese Karossen werden in Argentinien gefertigt. Nach den gleichen Spezifikationen oder Maßstäben und per Hand – wie das früher auch schon war. Wenn man sich mal mit Fangio auseinandergesetzt hat, um mal einen zu nennen, und die Historie sieht und was für Autos der gefahren hat, der ist genau mit so einem Auto angefangen. Mit so einer Rennkarosse, natürlich nicht mit meinem Auto, ganz klar, aber das war nichts anderes. Die haben früher auch einen Ford A genommen und haben sich den für Rennen – ich nenne es immer „perfektionieren“ lassen, umbauen lassen. Und genau so etwas ist das auch.

Aber deiner war schon original auch ein Speedster?
Nein, der hatte eine Coupé-Karosse. Weil einen original Speedster hat Ford ja nie hergestellt. Offen schon, also die Cabrios, ganz normal, aber mit solchen Karossen nicht. Zu der damaligen Zeit haben sich die ganzen Rennfahrer alle ein Chassis geholt, ein Fahrgestell, und haben sich dann ihren jeweiligen Rennwagen, oder die Rennwagenkarosse bauen lassen.

 

Wie hast du ihn gefunden?
Ich bin über den Händler, der die Karosserien aus Argentinien importiert, an den damaligen Besitzer des Wagens gekommen. Habe mit ihm lange telefoniert und bin dann hingefahren und – ja – ich sag mal so: wir sind uns einig geworden. Er hatte schon wieder ein neues Projekt. Wie das so ist, das eine Projekt ist fertig, da geht man das nächste an. Er hat sich wieder etwas ähnliches gebaut. Jetzt treffen wir uns und fahren Rennen zusammen.

Er hat ja auch eine H-Zulassung, ein Original-Wiederaufbau ist doch auch eine Grundvoraussetzung dafür.
Ja, ja, es ist nur weil viele Leute sagen: „Das ist ja eine erdachte Karosse“ – mir wäre das übrigens auch egal, davon mal abgesehen – diese Autos sind früher so gefahren. Leider haben sie ja nicht überlebt.

Kurt und sein Ford Model A Speedster

Gibt es also keine Speedster von damals mehr?
(Überlegt …) Ich glaube nein. Die Autos, die auf dem Markt sind haben alle diese Karosserie gekriegt. Wobei die wirklich per Hand gebaut und gedengelt sind. Und das ist ja auch genau das Schöne. Das man auch am Aluminium die Spuren sieht. Man sieht jeden Hammerschlag. Der ist nicht hochglanzpoliert. Man sieht – ja – wo der Karosseriebauer Hand angelegt hat. Hier hat er gefeilt, was hat er da gemacht, die Sachen sind genietet … Da ist wenig dran verschraubt. Das ist einfach dieses Alte. Wie gesagt, es gibt keine Hydraulik, es sind Bremsen über Gestänge, das Getriebe ist nicht synchronisiert, man schaltet also mit Zwischengas beim runterschalten. Beim hochschalten muss man eben zwischenkuppeln. Man ist nicht angegurtet. Also, wer da mitfährt meint bei achzig wäre man bei einer weitaus höheren Geschwindigkeit. (lacht begeistert) Es kommt alles zusammen, der Wind, es vibriert alles und das ist die Faszination bei solchen Autos. Besonders natürlich bei Vorkriegsautos. Es hat überhaupt nichts mit einem Auto aus der heutigen Zeit zu tun.

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Gibt es Dinge, die mit dem Auto gar nicht gehen? Zum Beispiel im Winter fahren, …
Nö, kann ich nicht sagen. Nein. Ich fahre damit zum Einkaufen, zum Baumarkt, ich fahre damit im Regen, bei Hagel, bei Schnee. Bei Schnee dann auch sehr gerne, denn es macht irrsinnigen Spaß mit einem Auto im Schnee zu fahren, welches keinen Allrad hat, keine Traktionskontrolle. Man schmiert in jeder Kurve ab, besonders bei diesen Reifen. Da muss man aufpassen wo es hingeht. Das bestimmt das Auto, wenn man denn ein bisschen zu viel Gas gibt. Meine Frau sagt immer, ich sei bescheuert, wenn ich im Winter los fahre. Es ist einfach ein Erlebnis wenn man dick eingepackt – und trotzdem friert einem das Gesicht ein … der Schnee, es ist ein … man kann das nicht beschreiben. Das kann nur jemand mitfühlen, der das schon mal gemacht hat, also jemand, der genauso verrückt ist.

Schraubst du selbst an dem Fahrzeug?
Ja, das was ich machen kann. Ich bin nicht so der Fan von Elektrik. Da ist mein Wissen einfach nicht so das ich da neue Leitungen verlegen würde. Bei dem Auto ist da ja nicht viel Elektrik. Nur das bisschen für die Lampen und fertig. Ja, also man kann eigentlich alles selber machen. Wenn es natürlich an die Motorüberholung geht da fehlen mir die Maschinen. Aber der Motor wurde ja damals beim Wiederaufbau des Wagens komplett überholt. Und alles andere kann man selber machen. Das ist kein Problem, kann man sich rein arbeiten.

Ford Model A Speedster

Aber sonst nichts weiter, nur die normalen Sachen, was immer so ist: Ölwechsel … je nachdem, wie viel ich fahre, schmierste natürlich auch die ganzen Sachen mehr ab. Also laut Ford muss das eine nach 600 Kilometern, das andere nach 1.000 Kilometern … also, ein bisschen Fett sollte man immer in der Fettpresse haben. Das ist schon ganz gut. Und immer ein bisschen Werkzeug dabei, das ist auch ganz gut. Immer ’ne Zange, immer ein Stück Draht, das obligatorische Panzertape, das sind dann so Sachen die man einfach dabei haben sollte. Es kann immer mal durch die Vibrationen – beim letzten Fahren ist mir wieder mal ein Kotflügel abgeflogen, zumindest zur Hälfte.

Gibt es eine Werkstatt deines Vertrauens?
Ja, die gibt es. Die Werkstatt meines Vertrauens: Siggis Cycle Shop. Das ist jemand, der baut komplette Motoren auf, gießt Lagerschalen selber und hat für alles die richtige Maschine. Ein Mensch den ich kennen gelernt habe als ein amerikanisches Auto vor der Tür stand und ich musste da anhalten, Sonntag nachmittag. Er kam raus weil er das Auto gehört hat und sagte: „Halt, mach mal die Haube auf, da stimmt was nicht 100%.“ Und dann mal gerade ein bisschen Einstellen. Und der Wagen lief wirklich spürbar besser als vorher. Wobei ich vorher gar nicht gemerkt habe, dass er nicht gut läuft. Und dann weiß man halt, das ist doch einer der wirklich Ahnung hat … Das ist schon eine Koryphäe, der lebt auch dafür. Man merkt das einfach. Wenn da ein Oldtimer vorfährt, den er noch nicht kennt, ist da sofort die Faszination da, wie funktioniert das …

Kurt und sein Ford Model A Speedster

Er arbeitet auch gerade an einem zweiten Motor für mich. Ich hab da noch ’nen anderen Zylinderkopf für. Andere Verdichtung. Dann kommt da noch ein kleines bisschen mehr PS bei raus. Obwohl, der Motor den ich jetzt drin habe hat auch schon einen anderen Vergaser, ich denke, der geht auch an die 50 PS. Und das reicht einfach vollkommen. Vor allem bei den Bremsen, das muss man ja auch sehen. Und wenn ich achtzig fahre – wie das alles am vibrieren ist, ja, wie der Lenker geht, das ist ja alles was anderes. Bei 120 km/h höre ich immer auf. Da sage ich mir immer, jetzt wird’s … Wenn man dann noch mit anderen Autos auf der Straße ist, wird es einfach viel zu gefährlich. Und das mache ich auch nur, wenn ich allein im Auto sitze. Also, ich sag mal, die optimale Reisegeschwindigkeit mit dem Auto: 80 km/h – kannst du wunderbar fahren, ist alles beherrschbar. Und viel schneller muss man ja auch nicht. Eigentlich soll der Motor ja auch nicht getauscht werden. Denn jetzt ist der original Matching-Numbers-Motor drin. Es passt alles an dem Auto und es ist mir am liebsten wenn es so bleibt. Der Motor läuft super. Jeder neue Motor läuft wieder anders, spricht vielleicht auch anders an. So wie es jetzt ist, soll es am liebsten bleiben. Aber man hat dann irgendwann halt einen zweiten Motor wo man sagen kann, der hat noch ein paar PS mehr wenn man Rennen fahren will. So wahnsinnige Arbeit ist das auch nicht so einen Motor mal gerade auszutauschen.

Das könntest du dir vorstellen? Für ein Spaßwochenende mal gerade den Motor tauschen?
Joah, das ist schon machbar. Muss man alles dann sehen. Es gibt ja viele Sachen, die man dann machen will. Dann kommen andere Reifen drauf. Mal gerade ’nen Satz Stollenreifen … Als wir jetzt in Rasstede waren, das ist ja auf Grasbahn, oder beim Rust ’n Dust in Teterow, das sind ja alte Grasbahnstrecken, da ist es ja auch nicht schlecht, wenn du mehr Stollen hast. Der Hinterman freut sich, der kriegt den Rotz dann ab. Ist ja auch kein Gewicht auf der Hinterachse, der dreht ja auch schnell durch.

Hast du eine Lieblingsstrecke für eine Ausfahrt? Oder, was war vor deinem Umzug an die Ostsee deine Hausstrecke?
Ich hatte eine Hausstrecke im Sauerland, vom Rhein-Weser-Turm hoch, am Panoramapark vorbei. Das war so meine Hausstrecke. Bis in Oberhundem war der Wagen warm und dann ging es da hoch. Kurve, Kurve, Kurve, Kurve, dann oben einen Kaffee trinken und dann mit neuem Elan wieder runter. Und das gerne auch zwei, drei mal hintereinander. (lacht) Ja, und hier an der Ostsee erschließe ich mir gerade erst eine Hausstrecke. Kurven gibt es hier weniger, hier ist es natürlich wunderschön durch die alten Alleen zu fahren, oder wenn der Raps blüht, Mohnfelder und so, das hat alles was.

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Welches ist denn das schönste Oldtimer-Event im Jahr? Oder die schönste Messe oder das schönste Treffen?
Ja, das war für mich immer Schloß Dyck (Die Classic Days, Anm. der Redaktion). Ist jetzt ein bisschen weit weg. Was mir sehr, sehr gut gefallen hat war in Oldenburg, in Rasstede die Vintage-Race-Days. Das ist auf einer alten Pferdebahn. Hat geregnet, hat mir sehr viel Spaß gemacht, (grinst) weil das ist ein Rennen, wo alles mitfährt, von Bugatti, Bentley, unsere Fords und jeder ist aber gleich. Man steht neben einem Bugatti und der sagt: „Boah, was ist das denn für ein geiles Ding, hast den selber gemacht, oder wo haste den her?“ Man begegnet sich auf Augenhöhe. Man teilt eben die Faszination und nicht was hat der eine gekostet, was hat der andere gekostet. Sondern, man hat seine Schrauber-Overalls an und man schraubt zusammen. Wir haben zum Beispiel da Abends noch ein Auto auseinander genommen und haben die Ventile eingestellt, wo man dann zu viert oder zu fünft an dem Auto schraubt. Mit ’nem Bierchen dabei, damit der am nächsten Tag wieder fertig ist und wieder fahren kann. Das Auto wird dreckig und man selber wird dreckig und man hat ein Grinsen im Gesicht von einem Ohr bis zum anderen. Das war auf jeden Fall ’ne Veranstaltung!

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Gibt es noch etwas, das du unbedingt mit dem Fahrzeug erleben möchtest?
Ja, ich möchte mal – wohin ist mir gar nicht so klar – mit dem Auto, einfach den Rucksack vollpacken, den Beifahrersitz vollpacken, und dann los. Egal wohin. Das Auto hat mich noch nie im Stich gelassen. Die weitesten Strecken die wir bislang gefahren sind, waren so 250 Kilometer ein Weg. Und ob ich 250 km oder 1.000 km fahre … Und abends dann auf irgendeinem Acker ein Zelt aufschlagen und fertig. Und am liebsten natürlich mit jemandem, der genauso bescheuert ist, vielleicht ein ähnliches Auto hat … Entscheidend ist das gleiche Hobbie und das der genauso verrückt ist. Abends drüber reden, was man am Tage für einen Blödsinn gemacht hat und was man alles erlebt hat, dann ist man mit der richtigen Person unterwegs und hat auch gemeinsam Spaß. Ein konkretes Ziel hab ich allerdings nicht. Man sagt ja immer, der Weg ist das Ziel. Und so ist das. Mit so einem Auto lernt man Leute kennen und das finde ich auch wahnsinnig interessant. Deren Geschichten hören, was habe die früher gefahren. Die meisten sagen ja: „Ach ja, wir hatten auch mal.“ und „Was war das nicht früher …“ (lacht) Das ist einfach das Schöne dann. Nichts ist schlimmer als wenn man sagt: „Ich muss Abends da und da angekommen sein.“ Dann macht man etwas falsch.

Themenwechsel: Gibt es einen Händler deines Vertrauens?
Speziell für Ford sind das zwei, die beiden größten Händler in Amerika. Einmal Macs Autoparts, da gibt es alles für den Ford Model A und Snyders Antic. Die sind spezialisiert auf Ford Model A und was es nicht mehr gibt, bauen sie nach. Bei kleinen Sachen geht das trotz der großen Entfernung auch mal schnell. Das letzte Mal hat es zwei Tage gebraucht …

Welches Fahrzeug soll als nächstes kommen?
Kurt: Oh. Ich war ganz heiß auf ein Fahrzeug, so ähnlich wie der Ford, aber mit spitzem Heck. Das Geschäft ist aber nicht zustande gekommen. Vorschweben tut mir immer noch ein Vorkriegsauto mit einer Karosserie, die auch der Bugatti B 35 hat, also eine Spitzheckkarosserie, was viele Alvis und diese Specials ja meistens haben. Die liegen ein bisschen tiefer, der Rahmen wir ja sozusagen eingelassen. Was ich irgendwann noch haben möchte, das ist ein Monoposto. Wo man alleine drin sitzt, also einen richtigen Rennwagen. Das gibt es auch auf Ford A-Basis, in Amerika, die bauen da vieles. Ja, Monoposto, das ist das, wovon ich immer noch träume. Und dann wirklich eine absolut enge Karosserie, wo noch weniger ist, als bei diesem Auto. Es geht für mich immer um noch weniger. Der Motor muss laufen, die Bremsen müssen funktionieren und der Rest ist egal. Das muss ein bisschen rottig sein, wirklich hier ein Hämmerchen dran gehauen, da was dran. Dann sieht das richtig gut aus. Und dagegen würde ich wahrscheinlich dann auch den jetzigen tauschen um nicht drei draus zu machen. (Anmerkung der Redaktion: es gibt noch einen schönen MG A in Kurts Garage).

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Letzte Frage: Wenn Geld und Verfügbarkeit keine Rolle spielen würden, wie sähe deine perfekte Doppelgarage aus?
Ein Bugatti B 35 und wahrscheinlich noch ein Alfa Monza. Oder ein anderer Vorkriegsrennwagen von Alfa Romeo. Dann am liebsten noch ein Motorrad aus der Dragracer-Zeit. So aus den Jahren 1920-1925, ne alte Indian … Und was für mich in eine perfekte Garage reinkommen müsste wäre mein Bücherregal, nicht nur mit Oldtimerbüchern und ein schönes Sofa daneben, ein kleines Tischchen, wo ich Abends sitzen kann, eine Kaffeemaschine, Whiskey, und ein paar Bücher. Meine Frau darf auch ab und zu mal kommen, die gehört auch zu den Sachen die ich gerne um mich habe. (lacht) Aber das wäre so, wo geschraubt wird, wo man sich aber auch hinsetzen kann, quatschen kann, lesen kann. Und das man einfach von jedem Oldtimermarkt, wenn einem was gefällt, hier ein Ölkännchen, da mal alte Schraubenschlüssel, hier eine alte Brille, da ein alter Helm, alles zusammenträgt. Ja, ’ne Garage, Bugatti, Alfa, hach, das wäre schon nicht das Verkehrteste. Und ich würde die Dinger genauso fahren, wie ich den Ford fahre. Einfach nur Spaß daran haben.

Kurt, vielen Dank für das ausführliche Interview!

Die vier folgenden Aufnahmen und die vier Fahraufnahmen weiter oben sind von oldtimersüchtig, alle anderen Aufnahmen sind von Kurt höchstselbst. Schaut doch mal bei ihm vorbei, er freut sich bestimmt: naegelefoto.de