Christian Stein

Christian Stein

Text: Christian Stein
Fotos: Steffanie Rheinstahl, Marcus Heider, Christian Stein

10. – 12.08.2018

46. AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2018

Der AvD-Oldtimer-Grand-Prix ist für uns Fans von historischem Motorsport in Deutschland zweifellos der Höhepunkt des Jahres. In weit über 30 Rennläufen, diversen Paraden und Gleichmäßigkeitsprüfungen wird den Zuschauern viel geboten. Von FIA Weltmeisterschaftsläufen über Highlights wie z. B. das Revival deutsche Rennsport Meisterschaft oder Rennen mit Boliden der 20er- und 30er-Jahre bis hin zu zwei sehr stimmungsvollen Abend-Rennen (Gentlemen Drivers – GT bis 1965 und Zweisitzige Rennwagen und GT bis 1960/61, beide Samstag Abend) bis in die Dämmerung hinein, blieben keine Wünsche offen.

Im Fahrerlager und in den Boxen wird viel geboten

Und das Beste ist, man kommt wirklich nah ran. Man hat Zugang zum Fahrerlager und in der Regel dürfen sogar während des laufenden Betriebs die Boxen betreten werden! Endlich kann man mal in Ruhe die Pedale eines F1-Boliden unter die Lupe nehmen und sich ein Gefühl für die Situation im Auto abholen …

Auch an bekannten Persönlichkeiten vor Ort mangelte es an diesem Wochenende nicht: Christian Danner, Derek Bell, Volker Strycek, Roland Asch, Arturo Merzario, Leopold von Bayern, Wolfgang Kaufmann, Harald Grohs, Marc Hessel, Olaf Manthey, Peter und Stefan Mücke, Frank Stippler und Matthias Kahle fanden sich ein um der Beschleunigung zu huldigen.

Selbst für Fans modernen Motorsports gab es etwas zu sehen. Zum ersten Mal fanden zwei Läufe des Porsche Carrera Cup Deutschland im Rahmen des OGP statt und bei den Masters Endurance Legends gingen Langstreckenrennwagen der jüngeren Vergangenheit an den Start.

Die Rennen

Folgende Rennen haben stattgefunden 

  • Rennen 1: FIA Masters Historic Formular One Championship
  • Rennen 2: FIA Lurani: Trophy für Formel-Junior-Fahrzeuge
  • Rennen 3: FIA Masters Historic Sports Car Championship
  • Rennen 4: Revival Deutsche Rennsport-Meisterschaft
  • Rennen 5: Zweisitzige Rennwagen und GT bis 1960/61
  • Rennen 6: Historic Grand Prix Cars bis 1965
  • Rennen 7: AvD-Trouenwagen- und GT-Trophäe
  • Rennen 8: Formel-3-Fahrzeuge von 1964 – 1984
  • Rennen 9: Gentlemen Drivers – GT bis 1965
  • Rennen 10: Tourenwagen Classics
  • Rennen 11: Masters Endurance Legends
  • Rennen 12: FCD RacingSeries
  • Rennen 13: Porsche Carrera Cup Deutschland
  • GLP: Vintage Sports Car Trophy für Vorkriegsfahrzeuge
  • GLP: Tourenwagen Revival

Rennen 1

FIA Masters Historic Formular One Championship

Viele klangvolle Namen sind mit den teilnehmenden Fahrzeugen der FIA Masters Historic Formular One Championship verbunden: Lauda, Piquet, Stuck, Mass, Scheckter um nur einige von Ihnen zu nennen. Oft höre ich den Satz:

Das waren noch echte Kerle …

Was beim damaligen Stand der Sicherheits-Technik wohl auch eine Grundvoraussetzung war um überhaupt einzusteigen! Die Teams, nicht minder bekannt: Lotus, Williams, Brabham oder McLaren. Gemeinsam war ihnen allen der Motor: Ford Cosworth. Letztes Jahr 50 Jahre alt geworden, dominierte der Cosworth zwischen 1967 und 1983 die Formel 1. Fast das gesamte Starterfeld ist mit ihm ausgestattet. Mehr Bilder, speziell zum Motor finden Sie im Artikel zum vorjährigen AvD Oldtimer-Grand-Prix 2017. Für mich ist die historische Formel 1 immer wieder absolut beeindruckend. Der Sound der Motoren klingt für mich stimmig zu dem, was meine Augen sehen (im Vergleich zur aktuellen Formel 1 allemal!) und die Nähe zum Geschehen, die der Oldtimer-Grand-Prix bietet, erlaubt Einblicke, die nachhaltig beeindrucken.

Rennen 2

FIA Lurani: Trophy für Formel-Junior-Fahrzeuge

60 Jahre ist es her, das die FIA diese Klasse in ihr Regelwerk übernahm. In Deutschland damals von Wolfgang Graf Berghe von Trips eingeführt, um auch hier eine Nachwuchs-Rennserie zu etablieren, die Talente entdecken und fördern und  Weltklassemotorsportler hervorbringen konnte.

Interessant zu wissen: Die Überrollbügel der Rennwagen wurden aus Sicherheitsgründen später ergänzt!

Rennen 3

FIA Masters Historic Sports Car Championship

Langtrecken-Sportwagen, die für die 24 Stunden von Le Mans wie geschaffen waren, oder tatsächlich geschaffen wurden, spielen hier die Hauptrolle. Die meisten dieser Sportprototypen stammen aus England. Lola und Chevron machen einen Großteil des Starterfeldes aus und führen ihren damaligen Zweikampf im historischen Motorsport weiter, aber auch Marken wie Lotus, McLaren und Porsche haben einen festen Platz im Line up.

Rennen 4

Revival Deutsche Rennsport-Meisterschaft

In den 70ern war die Deutsche Rennsport-Meisterschaft die höchste deutsche Rennserie. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, eine Menge bekannter Namen mit ihr zu verbinden: Stuck, Ludwig, Mass, Heyer, Stommelen, um nur ein paar zu nennen, lieferten sich gewagte Zweikämpfe. Zu einer Zeit, als der Windschatten noch als gute Idee galt, um den Vordermann aus eben jenem zu überholen. Bei heutigen DTM-Autos wäre es eher kontraproduktiv, zu lange in den Luftverwirbelungen des Vordermannes zu fahren … nicht umsonst spricht man hier von „Dirty-Air“.

Im Laufe ihrer Geschichte veränderten sich die Autos, von Tourenwagen zu extrem teuren Prototypen, was der Rennserie letzten Endes das Genick brach. So gewann den ersten Titel noch ein Ford Capri RS (1972 Hans-Joachim Stuck), während im letzten Jahr ein Prototyp von Porsche gewann (1985, Porsche 956, Jochen Mass).

Wichtig zu wissen: Beim Oldtimer-Grand-Prix ist diese letzte Phase der Sportwagen-Prototypen innerhalb des Revival Deutsche Rennsport-Meisterschaft ausgeklammert. Es dürfen Fahrzeuge bis Baujahr 1981 genannt werden.

Rennen 9

Gentlemen Drivers – GT bis 1965

Jaguar E-Types (Lightweight), Shelby Cobras, Aston Martin DP214 oder DB4 GT, Austin Healeys, Iso Grifo … die Liste der legendären Rennwagen in dieser Klasse ist lang. Hatte ich Porsche erwähnt? Anlässlich des 70 jährigen Jubiläums fuhr Derek Bell im „70 Jahre Sportwagen“-Porsche 911 (1967) mit … Davon lies sich die versammelte Britishness allerdings kaum beeindrucken. Ein Auto schöner als das andere … Eins der schönsten Rennen des Wochenendes!

Rennen 5

Zweisitzige Rennwagen und GT bis 1960/61

Das absolute Highlight des Samstag Abends! Und zugleich das letzte Rennen des Samstags. Hier treffen Boliden aus nur zwei aufeinander folgenden Jahren zusammen. Dieses Jahr wird dieses Rennen von Lotus präsentiert, da es 70 Jahre Lotus zu feiern gilt. Diese machen im Starterfeld – ebenso wie Porsche – mit acht Fahrzeugen den größten Posten aus. Dennoch nicht zu vernachlässigen sind so wunderschöne Autos wie die Bizzarrinis, Mercedes-Benz 300 SL, Maserati Tipo 63, Alfa Romeo Giulietta und nicht zuletzt natürlich die Jaguar E-Types. Auch für mich hinter der Kamera war es ein besonderes Rennen wegen dem wunderschönen Licht und der kaum zu überbietenden Stimmung!

Weitere Highlights

Neben den Rennen auf der Grand-Prix-Strecke gab es im Rahmenprogramm einige der Autos auch auf der Nordschleife zu sehen. Die Slowely Sideways Rallyewagen fuhren div. Runden, ebenfalls auf der Nordschleife und eine ganze Armada an Ständen von Zulieferern, Service-Dienstleistern, Autoherstellern und Händlern waren vor Ort um ihre Waren zu präsentieren und die Verlänglichkeiten der Besucher zu schüren. Rundum eine gelungene Veranstaltung. Nur gut, das fürs nächste Jahr der Standort Nürburgring wieder zugesagt ist und es somit ein Wiedersehen in 2019 gibt!

Editors Picks

Als sich die Porsche Techniker rund um Ferdinand Piëch am 05. Juni 1968 zusammen setzten um den 917er auf den Weg zu bringen, hätte wohl niemand gedacht welch sagenhaften Sportwagen sie in der kleinen Zuffenhausener Sportwagenschmiede binnen kürzester Zeit auf die Räder stellen würden.

Das geschah als die Sportwagen Meisterschaft noch ein Ereignis war mit Aura, Charakter und Schicksalen, die es heute nicht mehr gibt.

Der legendäre Porsche 917 stammt aus der Zeit Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre wo er sich packende Rennen gegen ebenso namenhafte Sportprototypen lieferte wie die Alfas Romeos, Ferraris, Lolas, Matras und Fords. Wo Fahrer während der langen Rennen schier unglaubliche Leistungen brachten und Mechaniker mit kniffligen Operationen am offenen Getriebe ihre Leidenschaft und ihr Können unter Beweis stellten. Schnell genug war der 917 ein Leben lang. Ein Beispiel: 1971 fährt Jacky Oliver im Langheck beim Training in Le Mans auf der Geraden der Mulsanne mit 384 km/h an der Messtelle vorbei. Der Porsche 917 fuhr unzählige Siege auf allen namenhaften Rennstrecken dieser Erde ein. Für mich persönlich mit Abstand einer der schönsten und besten Sportwagen die je gebaut wurden.

Christian Stein Christian Stein

BMW M1 PROCAR

Der BASF-M1 ist für mich ganz klar das Auto des Wochenendes. Entwickelt wurde der M1 bei Lamborghini in Sant’Agata Bolognese, produziert dann bei Baur in Stuttgart. Die Gestaltung übernahm Giorgio Giugiaro, der nicht selten als der „einflussreichste Automobildesigner des 20. Jahrhunderts“ gehandelt wird. Wen wunderts, wenn man erst mal einen Blick auf sein Schaffen geworfen hat. Unter (vielen!) anderen bekannten PKWs, entsprang seiner Feder z. B. der VW Golf I, der DeLorean DMC-12 (bekannt aus „Zurück in die Zukunft“) oder der Alfa Romeo Giulia Sprint GT, um nur drei Beispiele zu nennen.

Zurück zum BMW M1: Schon ein Jahr nachdem die Straßenversion des BMW M1 erhältlich war, gelang es BMW mit der BMW-M1-Procar-Meisterschaft eine eigene Rennserie zu etablieren, auch wenn diese nur zwei Jahre ausgetragen wurde. Im Rahmenprogramm der europäischen Formel 1 traten in der Procar Meisterschaft die jeweils fünf schnellsten Formel-1-Piloten aus den Trainingsläufen gegen Privatrennfahrer an. Erster Procar-Meister wurde 1979 Niki Lauda.

Mich fasziniert besonders der BASF-M1 wegen seines grafischen Sponsoren-Designs und nicht zuletzt, weil ich damals als kleiner Junge dieses Fahrzeug für meine Carrera-Bahn besaß und so einige Rennen mit ihm gewonnen habe.